Mittwoch, 3. Dezember 2008

Blogs werden kommerzialisiert – jetzt bloggen die Hausfrauen

Bloggen, das war einmal. Das war einmal etwas aufregend neues. Abseits des Mainstream teilten verwegene Pioniere anderen mit, was sie gerade so auf dem Herzen hatten. Man bloggte aus Überzeugung und über das, was einem auf dem Herzen lag.


Auch in den Anfangszeiten gab es schon viele Trash-Blogs. Belangloses Zeug stand darin, vieles von dem hätte auch gar nicht geschrieben werden müssen. Aber wenigstens dann war es immer noch etwas persönliches der Leute. Es war. als stöberte man in einem privaten Tagebuch und entdeckt ganz geheime Dinge.


Dieser Hauch von extravaganz ist spätestens unwiederbringlich vorüber, seitdem sich die ersten Profi-Blogs aufgedrängt haben.Da werden Redakteure ähnlich einer Zeitung dafür bezahlt, regelmäßig über ihr spezielles Thema zu schreiben. Diese Professionalität ging mir schon ziemlich gegen den Strich. Aber dahinter steckt noch ein gewisser Ansatz von Qualität.

Suchmaschinen, Suchbegriffe bestimmen, worüber der moderne Blogger bloggt. Zeitungsähnlich eben. Unpersönlich und durchgestylt.


Ebenso kommerziell, aber weniger professionell steht diesen Profi-Blogs die gierige Bande der Adsense und SEO-Blogger gegenüber. Sie kommen nicht über ihr Hobby, nicht über persönliche Interessen zu dem Thema, über das sie schreiben. Sie suchen gezielt nach einer persönlichen Nische in der Bloggosphäre, die bisher noch nicht bedient wurde.


Den Jungs dieser Fraktion kann man noch zugute halten, dass sie so etwas wie die fleißigen Bienchen des Bloguniversums sind. Sie tun es ohne Sinn und Verstand, aber in ihrer Nische sammeln und klauben sie reichhaltige Inhalte aus den Tiefen des Internet zusammen. Das Ergebnis zählt und ihre Sammlung kann sich oftmals sehen lassen.


Jetzt kommt der letzte denkbare Schritt. Und es wird der Todesstoß für das sein, was wir unter Bloggen verstanden haben: Die Hausfrauenblogs.


Wenn die Hausfrauen an die Börse gehen, dann sollte man seine Aktienpakete schleunigst abstoßen.


Nichts gegen Hausfrauen. Verstehen Sie mich nicht falsch. Es gibt sehr gute Blogs, die von nicht berufstätigen Damen aus Lust und Leidenschaft geführt werden.


Den Hausfrauen, die ich meine, fehlt es an genau dieser Lust und der Leidenschaft an einem Thema. Und sie wollen im Grunde gar nicht bloggen. Sie sind lediglich auf Geld aus. Mussten sich die SEO und Adsense Blogger noch selbst stark für den Erfolg ihres Blog-Projektes einsetzen, indem sie ihre Links fleißig überall eintrugen, können sich die Hausfrauen auf das Schreiben ihrer mittelmäßigen Texte beschränken. Und trotzdem verdienen sie Geld damit.


Schuld ist die Kommerzialisierung des Bloggens auf eine ganz neue Art und Weise. Schuld ist eine neue Webseite, auf die ich vor kurzem gestoßen bin: Typeer.de


Typeer bezeichnet sich selbst als Autoren-Community. Die Hälfte der Werbeeinnahmen von Typeer wird an die Blogger ausgeschüttet. So kann jede Hausfrau nen paar Groschen für die Kaffeekasse zusammenschreiben, sofern es Leser gibt, die sich auf ihre Seiten verirren.


Ich wiederhole mich: Nichts gegen Hausfrauen und alle anderen Randgruppen unseerer Gesellschaft. Aber hier werden ganz plötzlich Menschen zu Bloggern, die das Bloggen bisher nur milde belächelt oder gar verächtlich darauf herabgeschaut haben.


Doch seitdem es ihnen ein Taschengeld gebracht hat, haben sie Blut geleckt und hören gar nicht mehr auf damit. Die Aussicht, Geld damit zu verdienen, lässt Leute Blogger werden, die keine Lust darauf haben und es auch nicht können.


Plötzlich wollen alle Menschen ihre Meinung in Texten ausdrücken. Menschen, die bis gestern noch gar keine Meinung hatten. Und es geht ihnen auch gar nicht um eine Meinung. Für sie ist es nur ein beliebiges Vehikel zum schnellen Euro nebenbei.


Wessen Meinung ist uns wichtig? Nach wem sollen wir uns richten? Etwa nach den armseligen Kreaturen, die es nötig haben, mit dem Bloggen Geld zu verdienen? Sucht euch doch einen anständigen Job und gönnt euch den Luxus, in der Freizeit über die Themen zu schreiben, mit denen ihr euch in eurer Freizeit gerne beschäftigt.


Bloggen ist tot. Es lebe das Bloggen. Ich halte hier meine Stelle. Vielleicht bin ich bald der Letzte, der noch aus Lust und Laune heraus bloggt. Ich sehe das als Luxus, ich kann mir meine Meinung noch leisten. Und ich habe Lust, euch von der Front der bloggenden Hausfrauenbrigade zu berichten.